Zucht /
Fortpflanzung
Axolotl sind eigentlich nie ausgewachsen. Da sie
zeitlebens im Larvenstadium verbleiben, wachsen
sie auch ihr Leben lang, allerdings verlangsamt
sich das Wachstum mit zunehmendem Alter. Im
Aquarium erreichen sie meist eine Größe von 24 -
28 cm, gelegentlich auch um 30 cm und in äußerst
seltenen Fällen sogar über 40 cm.
Mit etwa 12 - 18 Monaten sind Axolotl
geschlechtsreif, u.U. sogar schon mit 5 Monaten
wie John P. Clare auf axolotl.org schreibt,
gelegentlich aber auch erst nach mehreren
Jahren. Dies ist sehr stark abhängig von der
Wasserqualität, der Fütterung, Temperatur, der
genetischen Präposition sowie bei regelmäßig zu
hohem oder zu niedrigem Sauerstoffgehalt des
Wassers. Im natürlichen Lebensraum liegt die
Paarungszeit etwa zwischen Oktober und März.
Axolotl sind im
Allgemeinen geschlechtsreif, sobald sie etwa 18
Zentimeter Länge erreicht haben, bei Weibchen
auch bei etwas geringerer Größe. Vor einem Alter
von 18 Monaten sollte man möglichst nicht mit
ihnen züchten, da die körperliche Entwicklung
bis dahin erst abgeschlossen ist und bessere
Zuchtergebnisse erwartet werden können. Männchen
werden jedoch auch schon etwas jünger (12 Mon.)
zur Zucht verwendet, da sich für sie die
körperliche Anstrengung in Grenzen hält.
Weibchen sollte
man, ggf. durch Umsetzen, an einem vorzeitigen
Laichen hindern, da dies für sie doch eine große
Anstrengung bedeutet. Nach einem Ablaichen
sollte dem Weibchen eine Erholungsphase von 2-3
Monaten gegönnt werden, zumal ein zu häufiges
Laichen sie derart schwächen kann, dass ihre
Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten
reduziert wird. Häufig wird auch berichtet, dass
bei zu frühem Laichen, sowie allgemein bei den
ersten Laichvorgängen, die "Qualität" der Eier
und Larven bzw. deren Entwicklung zu wünschen
übrig lassen und die Larvensterblichkeit erhöht
ist.
Durch eine
Änderung der Beleuchtungszeit und/oder der
Wassertemperatur kann man versuchen, die Tiere
zur Paarung und zur Zucht zu animieren.
Ansonsten lassen sie sich den Zeitraum nicht
vorschreiben. Sie können das ganze Jahr über
Ablaichen, bevorzugen aber eher die Winter- bzw.
Frühjahrsmonate.
Während der
Schwanz des Männchens schnelle schlängelnde
Bewegungen ausführt, beugt er diesen nach oben.
Darauf wird eine oder mehrere Spermatophore(n)
i.d.R. auf dem Beckenboden abgesetzt. Das
Weibchen nimmt sie in seiner Kloake auf. Nach 8
bis 24 Stunden ist die Befruchtung
abgeschlossen, und die Eiablage beginnt. Die
Eier werden vorzugsweise an den Blättern der
Wasserpflanzen abgelegt. Man findet Eier aber
auch auf dem Boden, am Beckenglas,
Luftschläuchen und ähnlichem.
Ein Gelege kann
aus 50 bis 500 Eiern bestehen, es wird manchmal
sogar von 1.000 Eiern gesprochen, nur gesehen
hat es anscheinend noch niemand und wie wollte
man es im bepflanzten Becken auch zählen. Meist
sind es aber zwischen 150 und 350. Die
gewünschte Anzahl Eier zur Aufzucht entnimmt man
und setzt sie in entsprechende Behältnisse
(s.u.) um. Nicht entnommene Eier werden relativ
schnell von den anderen Axolotl gefressen. Die
Entnahme der Eier führe ich mit einem 9/12er
Schlauch (also absaugen) vor. Bei dieser Methode
kann es natürlich vorkommen, dass einzelne
wenige Eier Schaden nehmen. Man kann aber auch
ein oder mehrere Pflanzenteile mit angehafteten
Eiern überführen, hat dann aber das Problem,
dass die Pflanzen im leeren Aufzuchtbecken
absterben können und das Wasser belasten. Bei
Eiern, die an Elodea (Wasserpest) angehaftet
sind, passiert dies nicht.
Die Jungen
beginnen Temperatur- und Sauerstoffabhängig nach
ca. 9 - 20 Tagen bzw. 14 Tagen (bei ca. 18° C
Wassertemperatur) zu schlüpfen (dies kann sich
über 2, manchmal bis zu 5 Tagen hinziehen). Die
ersten 48 Std. können sie dann noch von ihrem
Dottervorrat zehren, bevor sie selbständig auf
Nahrungssuche gehen. Der Mundspalt öffnet sich
etwa 40 - 42 Std. nach dem Schlupf. Diese Art
der Fortpflanzung bezeichnet man als Pädogenese.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte die erste
Nahrung bereitstehen, siehe nächster Absatz!
Die Larven halte
ich Anfangs in 30 x 20 x 20 cm, bzw. 40 x 30 x
30 cm Becken, die bis 3 cm unter den Rand mit
Wasser gefüllt sind (bei Temperaturen zwischen
19° und 21°C). Damit steht einer bestimmten
Anzahl von Larven ein relativ großes
Wasservolumen zur Verfügung, was zweifelsfrei
den Tieren zugute kommt und das lästige tägliche
Umsiedeln in eine saubere Schale, wobei die
Tiere teilweise gesiebt werden, und damit
wiederum auch teilweise Verschmutzungen
mitgenommen werden, überflüssig macht. So kann
ich größere Wasserwechsel vornehmen, wobei ich
dann anfangs mit einem 4/6er Luftschlauch den
gröbsten Schmutz absauge. In den Becken befindet
sich jeweils ein leicht sprudelnder
Sauerstoffstein, keine Abdeckung, keine
Filterung und keine Beleuchtung (werden indirekt
durch die anderen Becken mitbeleuchtet).
Ab einem gewissen
Zeitpunkt sollte man Tiere mit erheblich
unterschiedlichen Größen möglichst separieren.
Dies begünstigt die weitere Entwicklung der
kleineren Larven und verhindert möglicherweise,
dass sie von den größeren Larven während der
"Kannibalenphase" als "Reservefutter" betrachtet
werden.
Wie ich im
Forum von Frank Ambrock unter
axolotl-online.de schon häufiger gelesen habe,
bevorzugen die meisten Züchter dort kleine
flache Schalen mit wenigen cm Wasserstand, was
offenbar auch gut funktioniert.
Am Anfang nehmen
die Axolotl ausschließlich Lebendfutter als
Nahrung an. Die Fütterung der Nachzuchten wird
zuerst mit Artemia-Nauplien durchgeführt. Ab
einer Größe von etwa 20 mm können z.B. klein
geschnittene rote Mückenlarven zugefüttert
werden. Eine Zuchtanleitung für die Artemia
finden Sie unter "Futter".
Bei mir werden
schwarze Mückenlarven fast noch lieber
angenommen. Diese sind viel kleiner als die
Roten ML, qualitativ hochwertiger und man muss
sie auch nicht klein schneiden. Ich selbst
beginne ab 22 mm die schwarzen ML zuzufüttern.
Erst ab etwa 25 mm kommen die roten ML hinzu
(unzerkleinert), was mir die dann unnötige
Zerkleinerung erspart. Auch (fast) "zu Staub
zerriebene" Pellets gebe ich ab dieser Größe
gelegentlich hinzu. Wie ich zuletzt bei einer
"Überproduktion" von Artemia-Nauplien
festgestellt habe, nehmen 7 cm große Larven, aus
einem vorherigen Wurf, die dann für sie doch
sehr kleinen Nauplien, dennoch sofort wieder
problemlos zu sich.
Die
Axolotl-Pellets (1,5 - 2 mm) kommen bei mir erst
bei einer Larvengröße von 7 cm zum Einsatz. Ab
dieser Größe, konnte ich beobachten, werden sie
nicht nur aufgesaugt, "durchgekaut" und wieder
ausgespuckt, sondern praktisch sofort auch
runtergeschluckt, wobei es natürlich auch einmal
vorkommt, dass sich ein Lotl etwas "doof"
anstellt und er noch 2 Tage üben muss. Der
Vorteil ist, dass man nicht gefressene Pellets
bei richtiger Dosierung nicht wieder absaugen
muss, was bei einer Fütterung ab 5 cm häufiger
der Fall ist (im Allgemeinen ignorieren die Lotl
alle Nichtgefressenen Pellets nach 15-20 Min.
total, da sie dann nicht mehr so gut riechen).
Der Nachteil - welcher, wenn die Larven sie erst
einmal fressen - eigentlich ein sehr großer
Vorteil ist: Mit Beginn der Pelletfütterung
bekommen die Larven ein sehr hochwertiges
Futter, was zu einem kräftigen Wachstumsschub
führt. Da kann oder sollte man also etwas
experimentieren und natürlich ist eine
frühzeitig funktionierende Pelletfütterung in
diesem Sinne nur von Vorteil.
Biologie der
Axolotls
Der Axolotl ist
ein Fleischfresser mit der typischen
Amphibienanatomie, mit Ausnahme der Zähne. Mit
seinen abgeflachten Zähnen schnappt er
blitzschnell seine Nahrung und bringt sie in
eine geeignete Position um sie vollständig
herunterzuschlucken. Er hat ein 3-Kammer-Herz
wie alle Amphibien (anders als Säugetiere mit 4
Kammern), und er ist, wie alle Amphibien,
wechselwarm.
Obwohl Axolotl
ihre larvale Morphologie behalten, entwickeln
sie rudimentäre Lungen. Gelegentlich kann man
sie beim Aufsteigen zur Oberfläche beobachten,
wo sie kurz nach Luft schnappen um die Lungen zu
füllen. Larvale Axolotls erscheinen die ersten
Wochen ihres Lebens durchsichtig, bis die Haut
sich verdickt und die Pigmentzellen sich über
dem Körper vermehren.
Geschlechtsmerkmale
Es gibt nur zwei
zuverlässige Methoden die
Geschlechtsunterschiede zu erkennen. Weibchen
haben meistens einen runderen (dickeren) Körper
und bei den Männchen ist die Kloake stärker oder
stark ausgeprägt. Männchen erreichen im
Allgemeinen die Geschlechtsreife etwas früher
als Weibchen. Bei geschlechtsreifen weißen,
goldenen und Albino Axolotl, sind die
Zehenspitzen dunkel gefärbt. Umgekehrt verhält
es sich bei den Wildlingen und den melanoiden
Tieren, dort erscheinen sie weißlich.
Genetik und Farbe
Überblick
Die Grundlage
einer gesunden Zucht ist das Wissen um die
Vererbungslehre. Dabei gibt es verschiedene
Erbgänge, die gleichzeitig, nebeneinander und in
unterschiedlichen Ausprägungen existieren
können.
Will man gezielt
züchten, muss man gewissenhaft auf die Auswahl
seiner Zuchttiere achten, da sonst Erbschäden
auftreten können, bzw. die genetische
Variabilität zu klein wird, um auf geänderte
Umwelteinflüsse zu reagieren und die Nachzuchten
sehr empfindlich werden können. Inzucht ist zu
vermeiden.
Hier gebe ich
einen kurzen Überblick über die Genetik der
Axolotl. Sofern Sie Interesse an der Zucht
bestimmter Farbschläge haben, könnte dies für
Sie von Bedeutung sein.
Axolotl besitzen
pro Zelle 28 Chromosomen jeweils in
Zweierpaaren. Chromosomen sind Strukturen, die
Gene und damit Erbinformationen enthalten. Sie
bestehen jeweils aus einem Molekül DNA, das mit
vielen Proteinen verpackt ist. Diese Mischung
aus DNA und Proteinen wird als Chromatin
bezeichnet.
Axolotl haben,
ebenso wie die anderen Amphibien, eine besondere
Form sehr großer Chromosomen in den Eizellen. Da
sie vom mikroskopischen Bild einer Lampenbürste
ähneln, werden sie Lampenbürstenchromosomen
genannt. So bezeichnet man eine besondere
Struktur bei zwei homologen Chromosomen in der
Prophase der ersten Reifeteilung (Meiose I). Die
Chromosomen sehen dabei durch Schleifenbildung
aus wie Lampenbürsten. Lampenbürstenchromosomen
wurden zum ersten Mal 1882 von Walther Flemming
am Ei des seinerzeit als Siredon pisciformis
bezeichneten Axolotl beschrieben.
Bei der
Befruchtung der Eier verbinden sich 14 männliche
und 14 weibliche Chromosomen zur ersten Zelle
des Ei's. Die Zelle teilt sich und so entsteht
bei jeder Teilung eine weitere Zelle mit jeweils
28 Chromosomen. Bei Tiefergehendem Interesse an
diesem Prozess, der s.g. Meiose, finden Sie
hier nähere Informationen. Während dieses
Prozesses werden kleinere Teile der Chromosomen
der Eltern ausgetauscht, was dazu führt, dass
genetisch jede einzelne neue Larve ein zu seinen
Eltern und Geschwistern eindeutig
unterschiedliches Individuum ist.
Dabei entsteht ein
so genannter Genotyp. Der Genotyp oder das
Erbbild eines Organismus repräsentiert seine
exakte genetische Ausstattung, also den
individuellen Satz von Genen, den er im Zellkern
in sich trägt.
Dagegen bezeichnet
der Phänotyp oder das Erscheinungsbild die Summe
aller äußerlich feststellbaren Merkmale eines
Individuums. Er bezieht sich nicht nur auf
morphologische, sondern auch auf physiologische
Eigenschaften. Im Phänotyp spiegeln sich auch
erworbene Eigenschaften wider, etwa vergrößerte
oder verkümmerte Körperteile, Zwergwuchs durch
widrige Umweltbedingungen usw. Solche erworbenen
Eigenschaften werden nicht weitervererbt, der
Genotyp wird dadurch nicht beeinflusst.
Eine Mutation ist
eine Veränderung des Erbgutes eines Organismus
durch Veränderung der Abfolge der
Nucleotidbausteine oder durch Veränderung der
Chromosomenzahl, die nicht auf Rekombination
oder Segregation beruht. Durch eine Mutation
wird die in der DNA gespeicherte Information
verändert und dadurch können einzelne Merkmale
(der Phänotyp) verändert werden.
Genetische Grundbegriffe: